Geodaten und Karten sind heutzutage allgegenwärtiger als je. Karten sind kein Mittel der Mächtigen mehr, sondern viel mehr ein alltägliches Gut geworden, das selbstverständlich genutzt wird. Oft wird GoogleMaps als Referenz für heutige Karten verwendet, dabei dürfte OpenStreetMap die häufigste Quelle für Geodaten und Kartendarstellungen sein. Was auf den ersten Moment vielleicht etwas gewagt klingt, ist gar nicht so abwegig. OpenStreetMap ist aktuell, gut dokumentiert und weltweit verfügbar. Es gibt keine andere Datenquelle dieser Qualität, Quantität und Ausdehnung. Die amtlichen Geodaten mögen im Ursprungsland eine gute Qualität haben, welche aber an der Ländergrenze endet. Die Dokumentation ist oft in der Landessprache verfasst und das Datenschema ganz individuell. Kurz daraus einen weltweiten Datensatz zu bauen ist praktisch unmöglich.

So ist OpenStreetMap die Quelle schlechthin. Aber warum merkt man das nicht so oft? Weil es Daten sind und was man daraus macht, verrät nicht auf den ersten Blick was dahinter verbirgt. Es ist möglich die unterschiedlichsten Karten und Anwendungen auf den gleichen Daten zu bauen, ohne dass man mit dem Wissen auf die begrenzten Quellen für weltweite Geodaten darauf schließen kann. So nutzen Apps wie Komoot, Mapy.cz, Outdooractive und Co. die Daten als Kartengrundlage und um die Touren vorzuschlagen. Neben dem Wegenetz und der Vegetation spielen hier die markierten Wanderwege eine wichtige Rolle: Sie dienen als Basis für die Tourenvorschläge.

Warum aber nun die markierten Wanderwege? Wandern kann man doch überall? Nunja, im Prinzip schon. Abgesehen von Nationalparks und Sperrgebieten kann man so ziemlich überall unterwegs sein. Der erfahrene Wanderer weiß aber, das man sich oft bei der Wegmarkierung etwas gedacht hat: Schöne, ruhige Wege, immer mal eine kleine Attraktion und am Anfang oder Ende ein Bahnhof (od. Parkplatz). Es läuft sich ja bequemer, wenn man nur einer Markierung folgen muss und nicht immer wieder auf die Karte oder das Smartphone schauen muss.

Technische Implementierung

In OpenStreetMap werden die Wanderwege als Relationen (Relation) erfasst. Eine Relation ist dabei eine Sammlung von Punkten (Nodes), und Linien (Ways). Typischerweise werden nur die linienhaften Wege erfasst, aber manchmal auch einzelne punkthafte Elemente. Mit der Relation werden die Eigenschaften (Tags) des Wanderweges abgespeichert. Hier ein Beispiel aus dem Osterzgebirge:

  • Der Wanderweg ist nicht komplett erfasst (complete=no),
  • es folgt die Beschreibung des Wegs,
  • der Name (hier trivial),
  • die Angabe, dass es sich um einen lokalen Wanderweg handelt (network=lwn),
  • die Angabe des Symbols in maschinenlesbarer Form (green:white:green_dot),
  • die Festlegung als Wanderroute (route=hiking),
  • eine verbale Beschreibung des Symbols
  • sowie die Eigenschaft, dass es sich um eine Routen-Relation (type=route) handelt.

Diese Ansicht findet man auf der OSM-Webseite. Man kann sich durch die Mitglieder der Relation durchklicken und sieht dort ebenfalls wieder Relation. Praktischer ist aber eine spezielle Webseite für die markierten Routen: Waymarked Trails. Hier findet sich die unten gezeigte Ansicht. Neben der Zusammenfassung der wichtigsten Eigenschaften ist noch ein Höhenprofil generiert und der erfasste Weg kann als Datei exportiert werden. Mapy.cz nutzt zum Beispiel  jenseits von Tschechien und der Slowakei die OSM-Daten, aktualisiert aber nur zum Anfang jedes Kalendermonats; hier bekommt man aber die direkten Änderungen nach wenigen Minuten angezeigt. Manchmal braucht es zwar die Tastenkombination Strg-F5, aber das liegt dann eher am Browser.

Der Wanderweg auf der Waymarkedtrails-Webseite.

Der Wanderweg auf der Waymarkedtrails-Webseite.

Warum aber nun die Wanderwege erfassen und in OpenStreetMap eintragen? Es erleichtert schöne Routen zu planen (in all den tollen Apps vom Anfang), es macht Spaß Wegen zu folgen und sich überraschen lassen, wo es genau hingeht und man entdeckt so immer spannende Orte, die man selbst noch nicht kannte. Es wird nicht nur OpenStreetMap besser dadurch, es haben auch andere Menschen Vorteile dadurch! Zum Abschluss noch zwei kurze Beispiele von Wanderwegen, die ich so richtig durch OpenStreetMap entdeckt habe.

Wanderwege am Beispiel

Fernwanderweg Görlitz-Greiz

Fernwanderwege sind auf der Waymarkedtrailsseite besonders hervorgehoben und mir wurde da erst die Existenz eines Wegs von Görlitz nach Greiz. Zur Historie habe ich schon mal gesucht, wurde aber nicht wirklich fündig. Bei Waymarkedtrails wird eine Besonderheit bei langen Wanderwegen deutlich: Die Aufteilung der Relationen und die Zusammenfassung in einer Superrelation die andere Relationen enthält. Auf diese Weise ist das Bearbeiten der Routenabschnitte einfacher. Aber zurück zum Weg: die Stationen sind nicht sonderlich spektakulär, aber haben ihren eigenen Reiz. Meine Tour ging von Weesenstein nach Schlottwitz. Dabei war nicht nur viel toller Herbstwald vor der Linse, sondern ebenfalls unerwartet Blicke möglich. Der Müglitzhang bei Schlottwitz bietet hier unterschiedliche Aussichten innerhalb von 5 Minuten, mal von den botanischen und geologischen Sehenswürdigkeiten abgesehen.

 

Forststeig Elbsandstein

Der Forststeig mag nun nicht mehr ganz neu sein, aber dadurch, dass sich die Route immer noch mal geändert hat, war es umso spannender auf Entdeckungstour zu gehen. So einfach kann man schließlich sonst nicht in einsamen Hütten im Wald übernachten oder offiziell Zelten. Leider ist aber auch dadurch auf den schmalen Pfaden viel los. Man bekommt aber auch leider einen Vorgeschmack auf die Waldschäden der letzten Jahre…

Noch mal zurück zu OSM: Der Weg ist unter der folgenden Relation mit der Nummer 8202967 erfasst. Es dürfte hier also immer die aktuellste Version zu finden sein. Für Interessierte ist auch ein Export der Daten mit der Overpass-API möglich. Dazu sucht man nach der entsprechenden Releationsnummer und exportiert dann die Daten. Ob GPS-Gerät oder GIS, eins der Formate sollte passen. Hier die folgende Abfrage verwenden:

[out:json][timeout:25];
(
    relation(8202967);
);
out body;
>;
out skel qt;