Mich hat es nun also dieses Jahr nach Montenegro getrieben. Ein Land das kleiner ist als Sachsen und 600.000 Einwohner hat – das sind nur wenig mehr als Dresden mit seinen rund 530.000 Seelen. Das Land beeindruckt mit einer großen Bandbreite an Natur; von Meer bis zu hohen und schroffen Bergen als auch grünen Wäldern ist alles dabei.

Die Anreise

Bei der Vorbereitung auf die Reise bin ich auf die Bahnstrecke Belgrad–Bar aufmerksam geworden: 500 Kilometer quer durch ein Gebirge mit unerschlossene Regionen, vielen Tunnel und Brücken. Damit war für mich klar, dass ich mit dem Zug anreisen möchte. Also ging es für mich mit dem EC von Dresden via Praha nach Budapest und von dort weiter mit dem Nachtzug nach Beograd (Belgrad). Die Strecke von Ungarn nach Serbien ist in einem solch erbärmlichen Zustand, dass die Geschwindigkeit sehr gering ist und damit die Fahrzeit so lang, dass es mir am praktischsten erschien den Nachtzug zu nutzen. Von Belgrad nach Bar sind es dann noch mal 12 Stunden. Man kann ab Belgrad gleich weiter fahren oder sich besser noch einen Tag für diese spannende Stadt nehmen. Die Fahrt nach Montenegro vergeht schnell  bei jeweils über 200 Tunneln und Brücken. Es geht enge Schluchten hinauf, über karge Hochflächen bis man dann ins relativ grüne Montenegro gelangt und entlang einer spektakulären Schlucht das Dinarische Gebirge verlässt. Die Bahnfahrt kostet lächerliche 21 EUR mit Reservierung. Man sollte allerdings daran denken sich Essen und Trinken für die lange Reise mitzunehmen, es besteht kein Verlass darauf, dass wirklich ein Speisewagen mitfährt wie im Fahrplan vermerkt. Auf die fliegenden Händler im Zug möchte man sich besser nicht verlassen.

Unterwegs mit dem ÖPNV in Montenegro

Eisenbahn

Mit dem Zug kommt man in Montenegro nicht sehr weit, aber wohl bis an Meer (Bar). Neben der Strecke nach Belgrad zweigt in der Hauptstadt Podgorica  noch eine Bahnstrecke nach Nikšić ab. Die Strecke nach Albanien wird nicht im Personenverkehr bedient. Tickets gibt es am Bahnhof (man sucht Abfahrtspläne oft vergeblich) oder in handgeschriebener Form im Zug. Die Webseite der Eisenbahngesellschaft gibt dafür auch in Englisch Auskunft über Fahrpreise und Fahrpläne.

Flugzeug

Internationale Flughäfen sind Tivat (TIV) und Podgorica (TGD). Die Flughäfen sind jeweils direkt mit dem Bus zu erreichen, aber von sehr überschaubarer Größe. Hier sollte man sich nicht von den Taxifahrern überzeugen lassen, dass auf Grund von irgendwas heute keine Bus oder Zug mehr fährt. Den Flughafen Podgorica erreicht man auch mit dem Zug: an der Strecke nach Bar gibt es den Haltepunkt Aerodrom, welcher rund 1 Kilometer vom Flughafen entfernt ist und meist einmal die Stunde bedient wird. Zum Flughafen muss man noch etwas mehr als 1 Kilometer an der Straße entlange laufen.

Bus

Wenn man in Montenegro vorankommen möchte, dann nimmt man am besten den Bus. In jeder größeren Stadt gibt es einen Busbahnhof mit einem jeweils aktuellen Abfahrtsplan und mit etwas glück auch eine passende Webseite dazu. Man kauft dort das Ticket für einen bestimmten Bus, wobei ein Abschnitt und ein Teil des Geldes an den Busbahnhof geht. Teilweise wird darüber penibelst Buch geführt. Erst wenn der Bus bereitsteht wird man aus dem Wartebereich auf den Abfahrtssteg vorgelassen. Einsteigen in den falschen Bus ist quasi unmöglich. Teilweise hat bereits moderne Technik Einzug gehalten und die Tickets haben einen Barcode. Auf dem Land wird es schwierig, die Haltestellen sind meist nur mit einem Schild markiert und Abfahrtspläne nicht immer vorhanden. Im Zweifelsfall fragen, meist ist noch in „größeren Dörfern“ ein Café oder ähnliches in der Nähe.

Gute Informationen zu den Busbahnhöfen, Fahrplänen und Fahrpreisen hat die Webseite BusTicket4.me. Die Informationen waren immer aktuell und stimmten mit der Realität überein. In Podgorica gab es sogar einen Ticketautomaten. Mit dem BalkanViator habe ich leider schlechte Erfahrungen gemacht. Es werden nicht alle Verbindungen angezeigt oder die Busse fahren gar nicht.

Für das Gepäck zahlt man in der Regel 1 EUR und verstaut es im Gepäckfach. Teilweise gibt es auch Marken dafür. Ansonsten sollte man ein waches Auge darauf haben. Der Bus hält schnell mal irgendwo an der Landstraße, damit einfach so mal jemand einsteigen, aussteigen oder etwas einsammeln kann. Die Busse fungieren gleichzeitig noch als Kurrierdienste.

Fazit

Mit den öffentlichen Nahverkehr reist man gut und günstig durch das ganze Land. Die Informationen sind gut online zu finden, wenn man die richtigen Webseiten kennt. Autofahren möchte man lieber nicht. Auf den Straßen in den Städten herrschen raue Sitten. Auf diesen Stress kann man gerne im Urlaub verzichten.