01 Tag – Anreise in die Slowakei

Früh um 6 Uhr war Abfahrt in Dresden. Im morgendlichem Nebel mit einem wundervoll dramatischen Sonnenaufgang ging es hinüber nach Böhmen. Kleine Nebelschleier hingen in den Wipfeln und das Wasser „dampfte“ ganz leicht. Durch den vorangegangen Regen glänzte alles und das Grün wirkte besonders frisch. Später klarte es mehr und mehr auf als wir das Böhmisches Mittelgebirge erreichten. Wie von der České dráhy angekündigt verspätete sich der Schnellzug von Děčín nach Praha um einige Minuten in Lovosice.

So begann das erste Abenteuer bereits auf der Anreise: Sicherstellung des Anschlusses in Praha. Der Schnellzug kommt im Praha Masarykovo Bahnhof an und der Expresszug in Žilina fährt am Prager Hauptbahnhof ab. Dazwischen liegen gut 10 Minuten Fußweg bei einer Umsteigezeit von 15 Minuten. An sich machbar, aber eben nur ohne Verspätung. Was also tun? – Abkürzen mit der Metro. Von Praha-Holešovice benötigt diese nur 5 Minuten bis zum Hauptbahnhof. Gesagt, getan und es klappte wie am Schnürchen. Gemütlich erreichten wir den Zug, der dann mit gut 15 Minuten Verspätung abfuhr…

Um die Verwirrung noch perfekt zu machen erreichten wir den Bahnhof Žilina 10 Minuten zu zeitig und waren noch dazu verunsichert, ob wir überhaupt den Bahnhof erreicht hatten. Die Gleisanlagen waren unübersichtlich und ein Schild mit dem Namen nicht gleich zu sehen. Unser Zug nach Banská Bystrica dagegen war einfach zu finden. So viele Gleise hatte der Bahnhof dann doch nicht. Pünktlich ging es dann los durch die Malá Fatra, vorbei am Örtchen mit dem Namen Martin und dann hinauf auf die Veľká Fatra und durch den ersten und mit knapp 5 km längsten von 22 Tunneln der Bahnstrecke. Hinab ging es wieder in einem wilden Wechselspiel von Tunneln und Brücken immer an steilen Abhängen entlang. Angekommen in Banská Bystrica wollte ich ja eigentlich noch den Zug und die Lok fotografieren, aber der Lokführer war gerade damit beschäftigt das Gleis zu gießen. Das man hier noch sonderlich zimperlich diesbezüglich ist, sollte mir später noch deutlich werden.

Nach dem wir unser Gepäck im Hotel abgelegt hatten schlenderten wir durch das sehr überschaubare Stadtzentrum und blieben eine Weile in der Kirche. Hier fand ein Orgelkonzert statt. Nach Bachs Präludium und Fuge in e-moll BWV 548 und Liszts Präludium und Fuge über B-A-C-H hatten wir genug und spazierten weiter.

Der Marktplatz ist gesäumt von wunderschön herausgeputzten Häusern mit historischen Fassaden, die an die Glanzzeit der alten Bergbaustadt erinnern. Das ganze Gegenteil ist meiner Ansicht nach das Glockenspiel. Es ertönt immer zur 55 Minute aus dem Lautsprecher und um kurz vor 22 Uhr kommt dann der „Trompeter“. Nunja, mir war es zu kitschig. Aber das mag jeder selbst beurteilen. Der Brunnen war auf jeden Fall schön, genauso wie der Reste der Stadtburg.

Für den Ausspruch des Tages sorgte der Freund mit dem ich reiste: „Ich stehle Deos. Ich nehme von den Reichen und verteile es unter den Armen.“ Ein vergessenes Deo einfach ohne Kommentar nach zu kaufen wäre ja zum simpel gewesen. Ich erinnerte mich eher an Game of Thrones und schrieb folgenden Zeilen in mein Notizbuch:

Mountains to the east.
Mountains to the west.
Mountains to the south.
Mountains to the north.
Whatever stands in our way – we will climb on it.

02 Tag – Zugfahrt ins Paradies

Der nächste Tag begann wieder zeitig und führt ebenfalls wieder zum Bahnhof. Durch ein Viertel mit Bauten des Sozialistischer Klassizismus ging es um Hauptbahnhof der Provinzstadt Banská Bystrica. Auf dem Weg dahin bewundert wir noch einen Milchautomaten und fragten uns, warum man die nicht öfter findet. Ökologisch sinnvoll ist es aus meiner Sicht auf jeden Fall, eben nur etwas gewöhnungsbedürftig.

Leicht verspätet begann unsere Fahrt auf der Bahnstrecke die sich von 360 m auf 930 m hinauf windet. Zunächst ging der Blick zu den wolkenverhangenen Gipfeln der Niederen Tatra empor bis diese dann quasi in Reichweite waren. Mit der Zeit wurde die Landschaft immer karger und einsamer. Der aus vier Wagons und einer Diesellokomotive (in Fachkreisen als Taucherbrille bezeichnet) bestehende Zug wurde teilweise kaum genutzt, an einzelne Bahnhöfen quasi gestürmt. Ein Blick in den Fahrplan bracht die Gewissheit, dass Teilweise nur zwei Züge je Richtung an einem Teil der Bahnhöfe verkehren. Schade eigentlich bei dieser landschaftlich sehr reizvollen Strecke mit ihrem Kehrtunnel in Telgrát und dem Bahnhof für die Eishöhle im Slowakischen Paradies. Kurz vor unserem Umsteigebahnhof Margecany gab es noch ein besonderes Erlebnis: der Schaffner hatte bereits das Licht in den Wagen gelöscht. Ich war gerade dabei meine Jacke anzuziehen, als wir durch einen Tunnel fuhren und für 1 Minute absolute Finsterkeit herrschte. Es war absolut urkomisch, nichts mehr zu sehen und das so gänzlich unerwartet… Weiter ging es dann mit dem Bummelzug nach Vydrník von wo aus wir in den nächsten Ort liefen.

Angekommen in Hrabušice konnten wir unser Gepäck ablegen und wurden freundlicherweise von unserem Gastgeber zum Eingang des Nationalparks Slowakisches Paradies gefahren. Hier begann gleich der Wanderweg durch die Schlucht Suchá Belá. Im Flussbett es eines Baches wanderten wir also hinauf bis auf über 950 m. Teilweise waren horizontale Leitern aus Holz in das Tal eingebaut wurden um das Wandern zu erleichtern. Über diese sehr glitschige Konstruktion war es nicht immer einfach zu balancieren. Da waren die Eisernen Leitern an den Wasserfällen schon fast angenehmer zu begehen. Zum Glück war kaum Wasser im Flussbett, so das man ungestört laufen konnte. An einigen Stellen wäre es dann doch sehr schwierig geworden. Ringsum ragten Steile Felswände mit teils urwaldartiger Vegetation auf. In die Schlucht ragten umgefallene Bäume als Mahnmale.

Der Weg zurück führte wieder hinab nach Hrabušice. In der Ferne wallten die Wolken an den Gipfeln der Hohen Tatra und bildeten einen schönen Abschluss für diesen Tag. Auf dem Rückweg vom Restaurant zur Unterkunft war es dann schon dunkel geworden. Der Sternhimmel war so klar, dass sogar die Milchstraße wieder unverkennbar hervortrat.

Blick zur Hohen Tatra.

03 Tag – Vom Paradies in die Hohe Tatra

Am nächsten Morgen hieß es dann schon wieder packen und es ging noch mal in Slowakisches Paradies. Der Fluss Hornád fließt südlich von Hrabušice in die Berge hinein (schon verrückt, oder?) und hat sich eine Schlucht durch den Felsen geschaffen. Hier zahlten wir pro Person 1,50 EUR Eintritt. Das ist insofern gut verständlich, da die Schluchten des Nationalparks ja extra für die Touristen ausgebaut wurden. Hinauf ging es diesmal kaum. Dafür aber immer am Fluss entlang. Mal an seichten Ufern, mal an Tritten auf Felswänden oder auf ein paar Hängebrücken darüber. Es blieb mir aber ein Rätsel, wie man diese massiven Bauwerke aus Metall hierher bekommen hatte.

Zum Morgen war deutlich mehr los auf den engen Wegen als am Abend zuvor – an einigen Stellen musste man immer mal Warten. Dieses Mal war der Weg auch in beide Richtungen zu begehen, was es ein bisschen schwieriger machte. Nach einem Abzweig zu einer weiteren Schlucht hinauf ins Gebirge wurde es deutlich einsamer und romantischer. Umso mehr konnte man die Natur genießen. Besonders gut gefielen mir die großen Tannen mit ihren dunklen Nadeln und dem hellen Stamm.

Nach einiger Kletterei erreichten wir die Letanovský mlyn und verließen die Schlucht und wanderten übers Feld zum Bahnhof Letanovce. Bei einer längeren Pause genossen wir den Ausblick auf die Berge des Slowakischen Paradieses, die Ausläufer der Niederen Tatra und der Hohen Tatra. Zusammen ergab sich ein wunderschönes sommerliches Panorama.

Im kleinen Kabuff an der Haltestelle Letanovce kaufen wir dann unsere Fahrkarten nach Tatranská Lomnica. Auf der Fahrt nach Poprad erfreuten wir uns an dem interessanten Bahnhofsnamen Gánovce.  Angekommen in Poprad stiegen wir in die Elektrische Tatrabahn um und fuhren hinauf bis Starý Smokovec. So unmerklich die Strecke anfangs stieg, umso deutlicher wurde es mit bei den Spitzkehren kurz vor unserem Umstiegsbahnhof. Mit der Ruhe war es nun aber auch gänzlich vorbei. Hier war deutlich mehr los als im Slowakischen Paradies. Angekommen stärkten wir uns noch im Reštaurácia Stará mama und planten die Wanderung am nächsten Tag.